
Der Film spielt in den turbulenten Jahren des Kalten Krieges und erzählt von Berlinguers mutigem Versuch, die starren ideologischen Grenzen jener Zeit zu überwinden. Seine Vision eines demokratischen Sozialismus, fern vom sowjetischen Modell und offen für den Dialog mit der westlichen Demokratie, mündet in den berühmten „historischen Kompromiss“ mit Aldo Moro. Genau diese Öffnung, dieser Schwung hin zu einem geschlosseneren Italien, bildet das pulsierende Herz des Films.
Gesicht und Seele gibt Berlinguer Elio Germano, dessen Darstellung schlicht magnetisch ist. Als Bester Darsteller am Rome Film Fest 2024 ausgezeichnet, gelingt es Germano, die ganze Vielschichtigkeit eines Mannes wiederzugeben, der zwischen Idealismus und Verantwortung, zwischen moralischer Strenge und bürgerlicher Leidenschaft hin- und hergerissen ist. An seiner Seite ein solides Ensemble: Elena Radonicich, Paolo Calabresi, Roberto Citran, Fabrizia Sacchi.
Segres nüchterne und feinfühlige Regie wird von einem raffinierten Drehbuch begleitet (er schrieb es zusammen mit Marco Pettenello) sowie von der Kameraarbeit von Benoît Dervaux, die die erzählte Gegenwart mit eindrücklichem Archivmaterial abwechselt und eine bis heute aktuelle Epoche lebendig und vibrierend werden lässt. Der Schnitt von Jacopo Quadri und die eindringliche Musik von iosonouncane vervollständigen ein bewegendes Bild.
Berlinguer. La grande ambizione ist weit mehr als ein Biopic: Es ist eine Reise in das kollektive Gedächtnis, eine Einladung, über die Ethik der Politik, über den Mut zum Kompromiss und über die Utopie einer möglichen Veränderung nachzudenken.
Was bedeutet es, nach einem gemeinsamen und nicht nur nach dem eigenen Wohl zu streben? Auf diese Frage antwortet Andrea Segre mit seinem neuen, intensiven Film Berlinguer. La grande ambizione, der an der Festa del Cinema di Roma 2024 in einer Vorpremiere gezeigt wurde.
Im Mittelpunkt steht Enrico Berlinguer, der legendäre Generalsekretär der Italienischen Kommunistischen Partei und eine Schlüsselfigur der italienischen Politik der Siebziger- und Achtzigerjahre. In einer Zeit, die zwischen gegensätzlichen Blöcken geteilt war, wagte es Berlinguer, die Idee eines demokratischen und unabhängigen Sozialismus vorzuschlagen und den Dialog mit dem damaligen Vorsitzenden der Democrazia Cristiana, Aldo Moro, zu suchen, um das Land über den berühmten „historischen Kompromiss“ von Grund auf zu verändern.
Berlinguer wird meisterhaft von Elio Germano verkörpert, der am Rome Film Fest als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Der Film wechselt zwischen der Spielhandlung und eindrücklichen Archivbildern und zeichnet nicht nur das Porträt eines Mannes, sondern das einer ganzen Epoche voller Hoffnungen, Spannungen und sozialer Kämpfe.
„Ich wollte Berlinguer nicht nachahmen, sondern ihn verstehen. Politik nicht mit Slogans erzählen, sondern indem man in das Leben derer eintritt, die sie als untrennbaren Teil der eigenen Existenz leben.“
Segre, bekannt für seine Dokumentarfilme und seine gesellschaftlich engagierten Filme (Io sono Li, Molecole, Welcome Venice), hat ein sorgfältiges, respektvolles und zutiefst menschliches Werk geschaffen. Der Film ist auch eine Gelegenheit, über das kollektive Gedächtnis, über soziale Gerechtigkeit und über die Aktualität einer Figur nachzudenken, die allzu oft auf die Geschichtsbücher beschränkt bleibt.
Auf Tuttoitalia.ch halten wir Sie über Sondervorführungen, Publikumsgespräche und Vertiefungen zu diesem besonderen Filmereignis auf dem Laufenden.
Ein Film von Andrea Segre
Mit Elio Germano, Elena Radonicich, Paolo Calabresi, Roberto Citran, Fabrizia Sacchi
Ab 22. Mai 2025 in den Kinos der Deutschschweiz, ab 7. Mai 2025 in der Romandie