
Marco Mengoni füllt das Hallenstadion in Zürich, nach dem Vorgeschmack vor einem deutlich kleineren Publikum, das ihn im vergangenen Frühling bereits im Komplex457 erlebt hatte. Und er enttäuscht nicht. Im Gegenteil. Die Fans, die zu den Absperrungen gerannt sind, um ihn aus der Nähe zu sehen, waren nicht weniger leidenschaftlich als jene, die einen Sitzplatz auf den Rängen gewählt haben: Die Ergriffenheit war überall spürbar. Ebenso wie die Begeisterung bei seinem Auftritt, dem Bilder auf der Leinwand vorausgingen, inspiriert von Zeichnungen, Fotos und Momenten bereits erlebter Konzerte, der das Publikum zu einer ohrenbetäubenden Ovation hinriss.
Die Setlist mit 25 Titeln orientiert sich an den Stimmungen und den kreativen Eingebungen der Trilogie Materia, in der Stücke aus den vergangenen Jahren mit nie live gespielten Titeln abwechseln. So beginnt es mit Essere umani, No stress, Muhammad Ali und geht weiter mit den Stücken des letzten Albums, aber auch mit der Version des Sommerhits Pazza musica, mit Sängerinnen, die Elodie mit Können ersetzen und mit einer gewissen Ironie über die Bühne ziehen, was gefällt und amüsiert.

Bei vielen Stücken müsste Marco gar nicht singen, es genügt, das Mikrofon zu heben und das ganze Hallenstadion machen zu lassen, doch er zeigt gesangliche Leistungen auf höchstem Niveau, in denen sein immer überzeugenderes Wachstum sowohl in der Technik als auch im Stimmumfang auffällt. Er ist schlicht gut, daran gibt es nichts zu deuteln, und vor allem ist er er selbst: in der Art, wie er auf der Bühne loslegt, aber auch, wenn er innehält und das Publikum anschaut, das ihm applaudiert und zujubelt, als wäre es immer eine unverdiente Überraschung.
Nicht nur Italiener, sondern auch Franzosen, Spanier und insbesondere eine junge Amerikanerin, die die Worte zwar nicht verstand, war gerührt, mit Tränen in den Augen, als sie zum ersten Mal Due vite hörte: Es ist die Macht der Musik, du verstehst die Worte nicht, doch Marco singt sie und verwandelt sie in Bilder, in Erinnerungen und Emotionen. Seine Macht und die der Musik.