
Es ist schwierig, die Måneskin einzuordnen: Sie erinnern nicht an die Beatles, aber auch nicht an die Rolling Stones, sie ähneln im Grunde niemandem ausser sich selbst, auch wenn es viele und oft gewagte oder unpassende Vergleiche gab. Es ist zwecklos, einen gemeinsamen Nenner zu suchen, um zu verstehen, an wen sie uns „erinnern“, denn wenn es ihnen in wenigen Monaten gelungen ist, in der italienischen Musiklandschaft durchzustarten und Platin-Schallplatten zu gewinnen, dann liegt der Grund dafür in einem einzigen Wort: Talent. Auch ihr Image, vom starken Make-up bis zum wirkungsvollen und draufgängerischen Outfit, dient nur dazu, ihre Einzigartigkeit zu unterstreichen. Verdienste, die durch die Geburtsjahre der Bandmitglieder, von 1999 bis 2001, noch grösser werden. Sie sind die Millennials, bereit durchzustarten und sich alles zu nehmen.
Fotos vom Konzert in Zürich, 12. Februar 2019
Wir kennen euch von den Interviews, und in euren Videos herrscht eine allgemeine Begeisterung, die eure Fans oft dazu bringt, euch zu fragen: „Aber was macht ihr in Italien? Ihr seid Künstler, die in den USA durchstarten könnten…“. Was haltet ihr von solchen Überlegungen? Damiano: „Schön wär's! Spass beiseite, der erste Markt, auf dem wir uns gezeigt haben, ist der italienische, und wir müssen versuchen, unsere Erfahrung hier zu festigen, bevor wir uns anderswo umsehen. Wir haben grosse Träume, aber alles muss seinen Lauf nehmen. Die amerikanische Plattenbranche ist das Grösste für eine Band, aber unser Gedanke ist in erster Linie, uns zu verbessern und Gewissheiten zu entwickeln, die wir ausbauen können.“
Ist die grösste Priorität in diesem Moment also, euren Erfolg zu bestätigen, indem ihr dem Publikum gebt, was es erwartet, oder eher weiterhin zu überraschen, wer euch zuhört, indem ihr experimentiert? Victoria: „Hauptsächlich versuchen wir, das Publikum zu überraschen, indem wir versuchen, wir selbst zu sein, unsere Musik zu machen, ohne die Zufriedenheit ausser Acht zu lassen, die wir für das haben müssen, was wir tun. Ethan und Thomas: Das Ziel ist es auch, unsere Grenzen zu überschreiten, unsere Art zu kommunizieren zu erweitern und dabei einem immer breiteren Publikum zu gefallen. Wir versuchen auch, verschiedene Musikgenres zu erkunden, ohne uns allein auf Rock oder Funky zu beschränken.“

Da wir von Rock sprechen: Mir ist aufgefallen, dass unter den Bildern eures Videos „Fear for nobody“ die Zerstörung von Musikinstrumenten zu sehen ist. Es sind symbolische Bilder des Rock: Ist es eine Hommage, die ihr den Grossen wie Hendrix oder den Who erweisen wolltet, oder etwas Persönlicheres? Victoria und Damiano: „Es ist eine persönliche Deutung der Tatsache, dass wir, indem wir das Video rückwärts montieren, zeigen wollen, dass hinter einer Zerstörung ein Aufbau steht. Das Video ist ein Weg, auf dem auch symbolisiert wird, wie man sich den Staub von den Kleidern schüttelt und sich mit besseren Kleidern neu einkleidet, als Überwindung der eigenen Ängste. Und dabei nach etwas Grösserem strebt.“
Die grösste Ambition könnte von eurer Muse Marlena verkörpert werden. Habt ihr für diese inspirierende Rolle in eurer Vorstellung ein Gesicht, das sie darstellt? Damiano: „In Wirklichkeit muss sie jeder auf seine eigene Weise deuten: Für uns ist sie die Freiheit, die Schönheit und die Leidenschaft, aber sie hat kein Gesicht. Wer unsere Stücke hört, muss sich eine Muse vorstellen, die er persönlich idealisiert, sonst hätte das Symbol der Freiheit keinen Sinn.“
Und wird die Muse, die ihr nach Zürich mitbringt, dem italienisch-schweizerischen Publikum Überraschungen bereithalten? Die ganze Band: „Sicher, aber ohne Spoiler können wir versichern, dass wir das richtige Bestreben haben, dem Publikum ein mitreissendes Konzert zu schenken. Wir kommen gerade von mehreren Terminen in Italien und sind begeistert vom Feedback, das uns das Publikum in verschiedenen italienischen Städten gegeben hat. Die Live-Dimension ist das, was uns am meisten repräsentiert und uns Genugtuung verschafft: Es mit einem völlig anderen Publikum zu tun zu haben, ist sicherlich anregend.“
Und sehr wahrscheinlich wird am Ende des Konzerts der Weg, auf dem Marlena nach Hause zurückkehrt, auch durch die Schweiz führen…