
Das Val di Fiemme ist eines der wichtigsten Dolomitentäler und liegt in der Region Trentino Alto-Adige (Trentino-Südtirol). Zusammen mit dem Val di Fassa und dem Val di Cembra bildet es das Einzugsgebiet des Wildbachs Avisio, eines Zuflusses des Flusses Adige (Etsch). Mit seinen 14 Gemeinden wird es von berühmten Bergen wie der Catena del Lagorai und der Gruppe des Latemar begrenzt. Zudem liegt es zwischen zwei Naturparks: jenem von Paneveggio Pale di San Martino und dem Südtiroler Park Monte Corno (Trudner Horn). Zwei benachbarte Parks, die sich in der Vielfalt von Flora und Fauna unterscheiden. Das gesamte Val di Fiemme kann als ein wahrer Park bezeichnet werden, dank der riesigen Ausdehnung von Wäldern, die seit Jahrhunderten respektvoll bewirtschaftet werden und vor allem in der Vergangenheit eine Lebensgrundlage für die einheimische Bevölkerung bildeten. Diese Wälder wirken sich positiv auf die Qualität der Luft und des Klimas aus, begünstigt auch durch die Ausrichtung des Tals, das sich vorwiegend von Westen nach Osten erstreckt. Die typisch alpine Landschaft des Val di Fiemme ist vor allem von der Rotfichte geprägt, die eine Höhe von 50 Metern erreichen kann, mit Exemplaren, die einen Umfang von bis zu 6 Metern erreichen. Das Val di Fiemme ist ein Tal der Dolomiten im östlichen Trentino, umgeben vom Val di Fassa, vom Val d’Ega (Eggental) und von der Valsugana. Das Tal besteht aus 11 Gemeinden, Predazzo, Cavalese, Tesero, Capriana, Valfloriana, Carano, Daiano, Varena, Molina di Fiemme, Panchià und Ziano, und liegt eingeschlossen zwischen zwei sehr eindrucksvollen Naturparks: dem Naturpark Paneveggio – Pale di San Martino und jenem Südtiroler Park des Monte Corno. Diese beiden Reservate unterscheiden sich stark voneinander, obwohl sie sehr nahe beieinander liegen, und der Park ist für seine besondere Vegetation und für seine Fauna mit vielen Vogelarten bekannt.

Das Val di Fiemme, mitten in den Dolomiten des Trentino, ist von Gipfeln seltener Schönheit umgeben, etwa den Zinnen des Latemar, den Pale di San Martino und dem Corno Bianco (Weisshorn), von der Unesco als „Naturerbe der Menschheit“ anerkannt. Eines der Wunder, die auf der besonderen mineralogischen Zusammensetzung der Dolomiten beruhen, ist zweifellos das Phänomen der sogenannten Enrosadira. Dieses einzigartige Phänomen lässt die meisten Gipfel der Dolomiten wunderbare Farben annehmen, die ein Spektrum von hellem Gelb bis zu feurigem Rot zeichnen und dann in zarte Violetttöne übergehen, vor allem bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, bis sie im Dunkel der Nacht ganz verschwinden. Verstärkt wird das Ganze durch das Reflexionsvermögen der Felswände der Dolomiten, die aus Dolomitgestein mit Dolomit bestehen, einer Verbindung aus Calciumcarbonat und Magnesium. Besonders gut sichtbar ist es an Sommerabenden, wenn die Luft klarer ist und die Dämmerung länger dauert.

Der Park von Paneveggio und das gleichnamige Besucherzentrum liegen rund zehn Kilometer von Predazzo entfernt, kurz vor dem Passo Rolle (Rollepass) ebenfalls in der Provinz Trento (Trient). Was die Gäste zweifellos staunen lässt, ist das Hirschgehege, ein grosses Areal, in dem ein stattliches Rudel dieser Tiere halbfrei lebt. Dank der Beobachtungsstände und des Rundwegs um das abgegrenzte Gebiet ist es nämlich nicht schwer, sie zu erspähen, und mit etwas Glück kann man sie aus der Nähe bewundern und ihr Verhalten mitten in der Natur beobachten. Die Oase der Huftiere ist von einem Spazierweg umgeben und durch einen Zaun geschützt, der es erlaubt, sie aus kurzer Distanz zu fotografieren. Die Hirsche leben im Park zwischen den Foreste dei Violini (Geigenwälder) des Val di Fiemme, wo die Klangfichten wachsen. Das Holz dieser Fichten wurde einst vom berühmten Geigenbauer des 17. Jahrhunderts Stradivari geliebt und wird noch heute von Geigenbauern in aller Welt geschätzt. Hier lassen sich die transparente Brücke des Marciò-Wegs, zwei Hängebrücken über dem Wildbach
Der Latemar ist eine Dolomiten-Berggruppe, die sich zwischen den Provinzen Trento und Bolzano (Bozen) erstreckt, wobei der Kamm der Gipfel genau die Grenze zwischen den beiden Provinzen bildet. Die so genannte „Torre di Pisa“ ist eine 40 Meter hohe Felsnadel aus Dolomitgestein, die durch ihre auffällige Neigung stark an den Turm der gleichnamigen toskanischen Stadt erinnert.Von der Hütte „Torre di Pisa“ geht man weiter, immer auf dem Weg Nr. 516, in Richtung Forcella dei Camosci. Man steigt einige Meter hinter der Hütte hinauf, und vom Landeplatz des Helikopters aus erhält man einen noch weiteren Blick auf die umliegenden Gipfel, wo man in westlicher Richtung den berühmten „Turm“ bewundern kann. Nach dem kurzen steinigen Abschnitt des Abstiegs vom „Turm“ geht es weiter hinab, noch über ein kurzes steiles Stück, dann flach, bis zur Abzweigung zur Forcella dei Camosci. Dieser Teil ist sehr eigen: links haben wir eine Felswand, an der sich nicht selten Gämsen zeigen; rechts sehen wir eine steinige Fläche mit wenigen Grasflecken. In Richtung unseres Wegs sieht man im Hintergrund die Forcella dei Campanili und weiter rechts den Schenon del Latemar, den Dolomitengipfel, den erfahrene Wandernde kennen. Der Klettersteig der Campanili del Latemar führt durch die Zinnen im Gipfelbereich des Schenon, und das Panorama, das man von dort oben bewundert, ist unglaublich. Man erreicht dieses 40 Meter hohe Naturdenkmal, indem man von Predazzo aufsteigt, mit der Kabinenbahn nach Gardoné und dann mit dem Sessellift zum Passo Feudo. Hier geht es weiter auf einem etwas steilen Weg, der aber grosse Genugtuung schenkt. Unterwegs begegnet man kuriosen „Steinmännern“: Wegmarkierungen aus Steinen, die von Wandernden errichtet wurden, um den Weg bei Nebel zu markieren.
Die Gipfelfolge der Catena del Lagorai erstreckt sich über 70 Kilometer. Ein langer Abschnitt überragt das Val di Fiemme und scheint am Himmel die Umrisse gigantischer Wellen zu zeichnen, die sich kräuseln und dahingleiten. Die unberührte Catena del Lagorai ist gewissermassen das Alter Ego der Dolomiten. Die Lagorai-Gruppe wird im Norden vom Val di Fiemme und vom Travignolo begrenzt, im Osten vom Val Cismon, im Süden von der Valsugana und im Westen bis Südwesten vom Val di Cembra und vom Hochplateau von Pinè. Der Wasserreichtum prägt die Hydrografie der gesamten Gruppe, die von einer hohen Zahl von Seen unterschiedlicher Grösse und Form übersät ist, aus denen verschiedene Wildbäche fliessen, welche die Flüsse Adige, Avisio und Brenta speisen; in den Fluss Cismon münden die Bäche Vanoi und Senaiga. Der grösste See ist jener von Calaita, die bekanntesten sind wohl jene von Colbricon. Wenn die Kalkfelsen aus Dolomit keinen Tropfen Wasser halten, dafür aber mit rötlichen Reflexen verzaubern, so sind die Porphyrfelsen des Lagorai kostbare Schatullen smaragdgrünen Wassers. Manche Seen sind von Alpenrosen umgeben, andere von Wiesen, wieder andere sind in den Fels eingebettet. Auf dem Lagorai, wo die Adler kreisen, kann man tagelang wandern, ohne einem Menschen zu begegnen. Es ist eines der letzten unberührt gebliebenen Alpengebiete. 14 Wasserspiegel des Lagorai überragen das Val di Fiemme. Einige sind leicht erreichbar, andere verlangen trainierte Beine.

8 km von Varena entfernt öffnet sich auf bezaubernde Dolomitenblicke das Altopiano di Lavazé: eine der faszinierendsten Umgebungen des Val di Fiemme. Der Passo di Lavazè (Lavazèjoch) bietet eine stark unberührte Naturlandschaft, auf 1808 Metern zwischen den Provinzen Trento und Bolzano gelegen, und ist seit den 1950er-Jahren bekannt und geschätzt für sein renommiertes Langlaufzentrum, dessen Loipen sich an der Sonne oder durch die wunderschönen Wälder aus Rotfichten, Weisstannen und Zirben schlängeln, mit Blick auf den Latemar, den Catinaccio (Rosengarten) und die Täler der Südtiroler Alpen. Die Beschneiungsanlage auf 6 km garantiert die Öffnung auch bei Schneemangel. Die riesige Wiesenfläche, eingerahmt von Fichten, Lärchen und Zirben, wird von der Pala di Santa (2488 m) überragt. Vom Hochplateau geniesst man ein weites Panorama auf den Catinaccio und den Latemar. Der Passo Lavazè liegt auf einem Hochplateau auf 1805 Metern über Meer, im Sommer ist er Ausgangspunkt unzähliger Wanderungen und Wege, im Winter ist er dank seiner Morphologie ideal für den Langlauf. Auf 1805 Metern Höhe öffnet sich eine Bühne, die man zu Fuss oder mit dem Mountainbike durchqueren kann, zwischen Degustationen in den Berghütten. Wer Blumen liebt, entdeckt einen wunderbaren Garten der Biodiversität auf dem Altopiano di Lavazé.
Zwei kleine Brücken bieten zwei bewegende Aussichtspunkte. Jene am Fuss des Wasserfalls gibt die ganze Energie eines kräftigen Sturzes wieder, der sich zerstäubt und bis ans Gesicht der Betrachtenden reicht. Die kleine Brücke über dem Wasserfall lässt den Rausch eines flüssigen Sprungs ins Leere erleben. Ein Spaziergang im Wald zwischen monumentalen Fichten, ein lebhafter Bach, von Moosen und Flechten bemalte Steine und ein Beobachtungspunkt auf den Wassersturz. Der Wasserfall von Cavalese gehört zu den Dingen, die man im Val di Fiemme unbedingt sehen muss. Die Anfahrt ist sehr einfach. Auf der Provinzstrasse folgt man nach Molina di Fiemme, wenn man aus dem Val di Cembra kommt, der Beschilderung zum Wasserfall und überquert eine kleine Brücke, kurz danach findet sich ein kleiner Parkplatz. Der Wasserfall von Cavalese liegt gleich vor unseren Augen: ein wunderschöner Sturz von 15 Metern, aber sehr kraftvoll. Man kann ihn von unten bewundern oder auf einem bequemen Weg, der in den Wald hinaufsteigt und in rund 10 Minuten eine kleine Aussichtsterrasse in unmittelbarer Nähe des obersten Teils des Wasserfalls erreicht. Der Weg Cascata-Tabià-Cascata verspricht ein vollständiges Eintauchen in die Natur und vermeidet den Gang entlang der für den Verkehr geöffneten Forststrasse. Es empfiehlt sich, ihn gegen den Uhrzeigersinn zu begehen. Vom Wasserfall von Cavalese überquert man die Strassenbrücke, die ins Val Moena führt, und biegt sofort links ab, wo ein Weg ein langes Waldstück durchquert, an einer Weide entlangführt und zum Pezo del Gazolin gelangt, einer imposanten monumentalen Rotfichte. Nach dem Strässchen steigt der Weg vom Rio di Val Moena an, zwischen bezaubernden Ausblicken, bis zur Ponte del Tabià, am Anfang der gleichnamigen Weide. Hier beginnt der Weg in Kehren neben dem Wasserfall abzusteigen, bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Wassersturz aus der Nähe beobachten kann.
Die Magnifica Comunità di Fiemme blickt auf eine tausendjährige Geschichte mit weit zurückreichenden Wurzeln zurück, ihre Existenz wurde erstmals offiziell in den Patti Gebardini festgehalten, einem Dokument aus dem Jahr 1111 n. Chr. Sie ist eine öffentliche Einrichtung historischen Ursprungs, die dazu bestimmt ist, die Gemeinschaft der Menschen von Fiemme zu schützen und deren Umwelt- und Kulturerbe aufzuwerten. Als Hüterin alter Gesetze und Traditionen verwaltet sie noch heute einen beträchtlichen Gemeinschaftsbesitz von 20'000 Hektar Land aus Bergen, Weiden und Wäldern. Rund 11'000 Hektar sind von Wäldern bedeckt, welche die Comunità bewirtschaftet, indem sie Holzschläge und Aufforstungen plant und die Forstwege pflegt. In den Wäldern dominiert die berühmte Rotfichte. Die Magnifica Comunità di Fiemme hat ihren Sitz in Cavalese. Der imposante Renaissancepalast im Zentrum von Cavalese ist ihr offizieller Sitz und stellt einen erstrangigen Pol für das historische und künstlerische Kulturleben des Tals dar. Dort sind eine bedeutende Gemäldegalerie und ein Archiv mit Handschriften, Statuten und Schriften untergebracht, welche die alte Geschichte von Fiemme bewahren. Im Lauf der Jahre wurden aufwendige Restaurierungsarbeiten am Palast durchgeführt, die ihm den alten Glanz zurückgegeben haben, den er verdient. Eine dezente Beleuchtung verleiht dem Museum und seiner Gemäldegalerie eine geheimnisvolle Atmosphäre und wirft hier und dort überraschende Lichtgeometrien, welche die Schönheit der Gemälde und Fresken hervorheben und auch jene der 150 Meisterwerke der Malerschule von Fiemme, die an den Wänden des Palastes zu sehen sind.